Tag 8: Jostedal bis Geiranger

Tag 8: Jostedal - Geiranger
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Der 8. Tag startet erstmals mit ein paar Regentropfen. Als wir jedoch um 8 Uhr beim Frühstück sitzen, hört es schon wieder auf. Noch hängen die Wolken tief im Tal, aber im Verlauf des Tages wird sich die Sonne den Weg bahnen.

An diesem Tag geht es nach Geiranger, mit einer Fährfahrt über den Geiranger-Fjord. Pünktlich um 9 rollt das Wohnmobil die Strecke über die RV604 und die RV55 zurück nach Sogndalsfjøra. Dort biegen wir wieder auf die RV5 in nordwestlicher Richtung. Der erste Zwischenstopp ist am Gletschermuseum (Bremuseum) in Fjærland.

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Das Gletschermuseum ist sehr modern eingerichtet. Auf vielen Informationstafeln wird erklärt wie Gletscher entstehen oder was dazu führt, dass das Gletschereis zu fließen beginnt. Weiter wird erklärt, wie sich der Mensch die Gletscher nutzbar machen kann — vor allem wie Gletscher-Kraftwerke funktionieren. Zudem gibt es viel zur Geschichte der Gletscher in Norwegen vor und nach der letzten Eiszeit. An Experimentiertischen können die Eigenschaften von Eis selbst untersucht werden. Das Highlight des Museums ist ein 20 minütiger virtueller Flug über den Jostedalsbreen. Dabei wird eine Gruppe Skiwanderer bei ihrer Wanderung einmal über den kompletten Gletscher aus der Luft begleitet. Man bekommt dabei ein Gefühl für die unglaublichen Dimensionen dieser Eiswüste.

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Das Musuem ist nicht gerade groß. Wir haben uns Zeit gelassen, aber nach gut anderthalb Stunden sind wir inklusive des Films durch. Zeit fürs Mittagessen.

Um 13 Uhr geht die Fahrt weiter entlang der RV5, durch den Furdalstunnel hinab zum Sognefjord. Ein paar Kilometer geht es entlang des Fjords, bevor sich die Straße wieder in Richtung eines Talkessels bewegt. Kurz bevor diese durch den Fjærland unter dem Gletscher hindurch führt, gibt es nochmal einen tollen Blick auf eine Abbruchkante des Jostedalsbreen. Die Zunge nennt sich Bøyabreen und gehört zu den sich am schnellsten bewegenden Gletschern Norwegens. Das Eis dieser Zunge bewegt sich rund zwei Meter pro Tag.

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Auf der anderen Seite des Tunnels geht es entlang des Jølstravatnet durch schroffes Gebirge nach Skei und von dort über die E39 nach Norden. Theoretisch kann man zunächst auf der E39 bleiben und erst in Nordfjordeid auf die RV15 und anschließend auf die RV60 wechseln. Wir fahren jedoch schon in Byrkjelo auf die landschaftlich empfehlenswerte RV60. Die Straße schraubt sich in kürzester Zeit auf 600 Meter und bietet kurz hinter dem höchsten Punkt einen grandiosen Ausblick auf den Utfjord beziehungsweise Innvikfjord, den wir auf der RV60 östlich umrunden.

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Ab Stryn verlaufen die RV15 und RV60 ein paar Kilometer zusammen und wir müssen aufpassen, den Abzweig in Richtung Hellesylt nicht zu verpassen.

Gegen 15:40 Uhr sind wir in Hellesylt. Die Fähre von Hellesylt nach Geiranger fährt zu dieser Jahreszeit nur alle drei Stunden. In unserer Planung war vorgesehen, die letzte Fähre um 18:30 Uhr zu nehmen. Dass wir fast drei Stunden zu früh in Hellesylt sind, damit haben wir nicht gerechnet. Man kann sich also auf diesem Teilstück entweder mehr Zeit lassen oder eben nicht und die Fähre um 15:30 Uhr erreichen. Ab Juni kommt eine zweite Fähre zum Einsatz, so dass sich die Wartezeit auf maximal anderthalb Stunden halbiert. So bleibt uns auf jeden Fall viel Zeit, die wir mit einem Spaziergang, Eis, einem Buch und einer Mütze Schlaf genießen.

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Pünktlich um 18:30 Uhr legt die Fähre in Richtung Geiranger ab. Die Fahrzeit beträgt etwas mehr als eine Stunde.

Zu den Bergen rund um den Geirangerfjord gibt es zahlreiche Sagen. Im nördlichen Ufer des Fjords gibt es beispielsweise eine extrem tiefe Felsspalte, die der Sage nach vom Teufel in den Fels geschlagen wurde, um sich zur Zeit der Mitternachtssonne den Sonnenstrahlen zu entziehen. Zudem gibt es rund um den Fjord zahlreiche Bauernhöfe, die wie Kokons an den steilen Hängen kleben und bis in die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bewirtschaftet wurden. Die Kinder, die auf diesen Höfen aufwuchsen, mussten den ganzen Tag an langen Seilen angebunden werden, damit sie nicht abstürzten.

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Und natürlich gibt es die berühmten Wasserfälle. Auf der nördlichen Seite finden sich die ‚Sieben Schwestern‘, deren höchste Fallhöhe 300 m beträgt. Da der Winter 2010/2011 laut Erzählungen von Einheimischen sehr knackig gewesen sein soll, verwundert es nicht, dass unsere ‚Sieben Schwestern‘ mit viel gutem Willen als ‚Fünf Schwestern‘ erkennbar sind. Da es in den Wintern immer weniger schneit und die Wasserfälle vom Schmelzwasser aus den Fjell gespeist werden, kann man in den Sommermonaten teilweise nur noch vier Schwestern sehen.

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Der Sage nach wollte der ‚Freier‘, ein gegenüber auf der südlichen Seite des Fjords befindlicher Wasserfall, eine Schwester nach der anderen heiraten.

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Als die zahlreichen Versuche, eine der ‚Sieben Schwestern‘ zu ehelichen, alle abgelehnt worden waren, widmete sich der Freier schließlich der Flasche, woher die flaschenartige Form des Wasserfalls kommen soll.

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Kurz vor der Ankunft in Geiranger können wir unseren Campingplatz und den spektakulären Straßenabschnitt, den sogenannten Adlerweg sehen, den wir am folgenden Tag nehmen werden.

Um kurz vor 20 Uhr erreichen wir unseren Campingplatz zwei Kilometer außerhalb von Geiranger. Der Platz liegt direkt am Fjord und wir haben aus dem Wohnmobil heraus einen Ausblick auf die Sieben Schwestern. Viel Zeit die Eindrücke zu verarbeiten…

Der Tag in Fakten:

Distanz: 243 km (Haugen-Hellesylt)
Schnitt: 38 km/h
Anzahl der Fähren: 1
Kosten für die Fähren:
  1. Hellesylt – Geiranger
    Wohnm. 290,- NOK, Erw. 140,- NOK, ~ 55,- €
Ziel-Campingplatz: Geirangerfjorden Feriesenter
Grande
N-6216 Geiranger
Kosten für Campingplatz: 115,- NOK/Wohnmobil, 30,- NOK/Erw. und 40,- NOK/Strom. Macht in Summe 215,- NOK, d.h. ~ 28,- €. Die Lage ist super, aber die Sanitäranlagen sind nicht ganz so toll, daher nur ein: (+)
Lage des Campingplatzes: Die Lage direkt am Fjord ist natürlich fantastisch: (++)
Sanitäranlagen: Sehr einfach und altbacken, aber halbwegs sauber: (o)

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